ATTvom 6. Juni 2009

 

Vor einiger Zeit fand ich auf der Internet-Seite der Landesgruppe Süd-West den Hinweis auf einen sogenannten Alltags-Tauglichkeits-Test, kurz ATT genannt. Da ich weder mit der Begrifflichkeit noch mit dem Sinn eines ATT´s etwas anfangen konnte, habe ich den Bericht mit viel Interesse gelesen. Es sollte bei diesem ATT das Zusammenspiel zwischen Mensch und Hund in alltäglichen Situationen abgefragt werden, um uns Hundeführern die Möglichkeit zu einer Standortbestimmung des bisher Erreichten zu geben. Nachdem einige Beispiele aufgeführt waren folgten die nachstehenden Worte unserer Landesmutter Petra Beringer:

"Jeder, der bereits einmal an einer Begleithundeprüfung teilgenommen hat kann somit jederzeit in div. Situationen überprüfen ob sein Liebling auch wirklich alle Übungen verinnerlicht hat und auch gegen Ablenkungen im gewissen Masse resistent ist. Natürlich ist nicht nur der Hund und sein können gefragt. Das Zusammenspiel zwischen Hund und Hundeführer ist von elementarer Bedeutung um einen solchen Test mit dem Prädikat „Vorzüglich“ zu durchlaufen."

Da wir uns mit Hory ein wenig mit dem jagdlichen und dem Dummy-Bereich beschäftigt hatten, war ich neugierig geworden wie ein solcher ATT in der Praxis aussehen kann. Von der Idee begeistert, meldeten wir uns umgehend zu dieser Veranstaltung an. Und dann war es soweit: Am 06.06.2009 fand in Sulz am Neckar der erste Alltags-Tauglichkeits-Test (ATT) mit der Landesgruppe Süd-West statt und wir durften teilnehmen!

An einem regnerischen Samstag, früh um 6.00Uhr, holte uns der Wecker aus den Federn. Hory pinkeln lassen, füttern, Leckerle, Handtücher und Wasser für den Hund einpacken, selbst noch duschen gehen und ab ins Auto. Die 2 stündige Fahrt von Breisach nach Sulz-Bergfelden war vom Platzregen der schlimmsten Sorte begleitet und wir fragten uns bereits, welchen Schuss man haben muss um bei diesem Wetter freiwillig den Regengüssen zu trotzen.

Pünktlich in Bergfelden angekommen wurden wir von Petra und Achim Beringer begrüßt. Jens J. Swadzba hielt die einführenden Worte, erklärte uns hierbei den Ablauf des Tages und machte uns nochmals deutlich dass es sich nicht um eine Prüfung handelt bei der man durchfallen kann, sondern lediglich Prädikate vergeben werden. Es gab keine Vorgabe wie die einzelnen Aufgaben zu lösen sind. Selbst entscheiden war gefragt. (wie im Alltag halt)
Die 17 anwesenden Teams wurden dann in 2 Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe übernahm Petra Beringer. Die zweite Gruppe, bei der wir dabei waren, wurde von Jens J. Swadzba als Richter begleitet.

Und schon ging es mit der ersten von sechs Aufgaben an diesem Tag los.
Die Aufgabe könnte unter der Überschrift „Stressfreies Autoverlassen“ stehen. Wir gingen zu unserem Jeep, in dem Hory darauf wartete endlich aus dem Auto zu kommen. Kofferraumklappe auf und unser Hund ….. bleibt sitzen! Bei geöffnetem Kofferraum nach vorne ans Auto um die Schuhe zu wechseln, Jacke anzuziehen, sich über das Wetter zu unterhalten…Hory sitzt nach ein paar Minuten immer noch im Auto! Wieder nach hinten, den Hund anleinen und mit einem „bei Fuß“ Hory aus dem Auto holen. Und was meinte Jens: „so, jetzt den Hund wieder rein ins Auto und das Ganze noch mal ohne Leine, damit ich sehe wie und ob das dann auch funktioniert“.
Also Hory wieder rein ins Auto, bei offener Klappe sitzen lassen, 5Meter weg vom Auto, eine Unterhaltung führen und Hory zu uns rufen. Hory springt aus dem Auto und setzt sich zu uns als wäre es für ihn das Selbstverständlichste. Jens´ Kommentar:“ Vorzüglich! Genau so haben wir uns das vorgestellt!“

Nachdem wir alle 9 aus unserer Gruppe diese Aufgabe absolviert hatten und somit die Hunde bei uns waren, ging es an die zweite Aufgabe. Hier kann die Überschrift nur „Achtung Gift“ heißen. Übrigens, trotz angesagtem Dauerregen hatte es aufgehört zu regen. Jens erklärte uns, dass auf der Wiese vor uns mehrere Giftköder, getarnt als Brot mit Seidenwurststücken, ausgelegt wurden und unser Hund sich unangeleint über die Wiese bewegen darf.
Also Hory von der Leine und frei! Er läuft über die Wiese, schnuppert und findet sehr schnell den ersten Giftköder. Ein lautes „Aus!“ und Hory lässt den Köder in Ruhe und untersucht das Gelände weiter. Nach weiteren 7 „Aus!“, weiteren 7mal des nicht fressens des Köders, ist für uns diese Aufgabe beendet und Jens wertet: “vorzüglich“!
Bei dieser Aufgabe haben einige Hunde, wenn wundert´s, ihrer Liebe für die Würste freien Lauf gelassen. Wie hat ein Teilnehmer gesagt: „2 mal im Jahr diese Aufgabe und mein Hund braucht nicht mehr zusätzlich gefüttert werden!“.

Aufgabe Nummer 3 „ängstliche Ballspieler am Strand“.
Jens leitete diese Aufgabe mit folgenden Worten ein: Stellt Euch vor Ihr geht am Strand entlang, vor euch zwei Ballspieler und die haben Angst vor eurem nicht angeleinten Hund.
Ok, Augen zu, Das Bild des Strandes vor Augen, Augen auf, Hory von der Leine und los geht’s zu den 50Metern entfernten Ballspielern. Hory bewegt sich frei vor uns. Als er 20 Meter von ihnen entfernt ist, rufen wir ihn zurück und gehen mit Hory am Fuß durch die 10 Meter auseinander stehenden Spieler durch. Auf dem Rückweg das Ganze nochmals. Hory wieder frei, beim Annähern an die Spieler unseren Hund wieder zurück gerufen und dieses Mal versuchen wir die Ballspieler zu umgehen. Sie weichen allerdings immer weiter zurück, also bleibt uns nur wieder der Weg durch die Mitte zu nehmen. Einige Hunde haben ihre positive Einstellung zu Menschen und Bällen voll ausgelebt, was auf der einen Seite sehr schön aber bei der Lösung der Aufgabe nicht hilfreich war. Hory ignorierte den Ball und auch die Spieler und Jens wertete auch diese Lösung mit einem „vorzüglich“.

Aufgabe Nummer 4 „verlorener Gegenstand finden“
Hierbei ging es um das Finden eines verlorenen Gegenstandes nach einem Spaziergang. Dies hätte der Schlüsselbund, der Geldbeutel, die Leine usw. sein können. Verloren wurde allerdings nur ein Dummy. Da das Suchen und Finden unseren Retriever im Blut steckt, wurde diese Aufgabe fast von Allen mit einem „vorzüglich“ gelöst.

Aufgabe Nummer 5 „ Freispiel mit Führerbezug“
Mittlerweile war es gegen 15.00Uhr und die Sonne war, trotz angekündigten Dauerregens, immer noch zu sehen. Menschen und Hunde lagen friedlich vereint und gut gestimmt auf der Wiese. Ein wunderschönes Bild! Diese gelassene Stimmung passte dann auch gut zu dem nun angekündigten Freispiel. Hory und eine Labbi-Hündin wurden abgeleint und durften sich des Lebens freuen. Beide tollten über die Wiese, suchten nach den restlichen Würstchen und vergaßen sich fast in Ihrem Freispiel. Wir Hundeführer entfernten uns in entgegen gesetzte Richtungen voneinander und waren doch Beide etwas überrascht als wir ohne größere Anstrengungen unsere Hunde wieder zurück bekamen.

Aufgabe Nummer 6 „Hundefreund/ oder Feind?“
Auf einer Wiese waren, im Gegensatz zu Aufgabe 3, zwei hundefanatische, überbegeisterte Hundefreunde mit Bällen und Leckerle die auf uns warteten. Diese wollten unbedingt mit unseren Hunden spielen und ihre Leckereien verfüttern. Hierbei merkten wir, dass man mit manchen Situationen doch überfordert sein kann. Einige haben Ihre Hunde den Hundefreunden überlassen, Andere versuchten den Hundfreaks zu erklären warum sie das füttern und spielen nicht wollten, ich dachte mir nimm Hory an den Fuß und ab durch die Mitte. Aber weit gefehlt. Die Fütterer waren schneller, oder ich zu langsam? Auf jeden Fall kamen die vermeintlichen Hundefreunde zum Erfolg. Dies war eine Aufgabe über die noch viel diskutiert wurde, hat uns aber gezeigt dass es doch noch Momente gibt die einen sehr überraschen können. Aber auch hier haben uns Petra und Jens, wie auch bei den Aufgaben zuvor, Lösungsansätze und Hilfestellungen für die Zukunft an die Hand gegeben!

Als wir gegen 16.30Uhr die letzte Aufgabe beendet hatten, setzte wieder leichter Regen ein. Wir brachten unsere Hunde in die Autos, räumten das Gelände wieder auf und ab ging`s in eine Pizzeria nach Sulz. Hier wurde in entspannter Runde noch über das Eine oder Andere gescherzt, geschmunzelt und auch herzhaft gelacht. Nachdem Jens den Tagesablauf noch mal zusammen gefasst hatte, gab es für uns die mit Spannung erwartete Einschätzung des Tages. Alle Gespanne wurden im Endergebnis mit einem „gut“, „sehr gut“ oder sogar „vorzüglich“ für die am heutigen Tage gezeigten Leistungen belohnt. Für uns Hundebesitzer eine wichtige und sinnvolle Bestätigung für das bisher Erreichte. Danke! Das wir ein „vorzüglich“ bekamen, war für uns natürlich die Krönung des Tages!
Danke aber insbesondere an Petra und Achim Beringer, Jens J. Swadzba, Peter Maier und all die nicht namentlich genannten Helfer und Helferinnen die uns diesen wundervollen Tag erst möglich gemacht haben!

Abschließend möchte ich noch die Meinung von uns Teilnehmern zu diesem Tag wiedergeben: -die Aufgaben waren durchgängig alltagstauglich -wir konnten an diesem Tag eine Menge über uns und unsere Hunde lernen -ein Test der uns sehr viel Spaß und richtig Freude bereitet hat Zusammengefasst: „es war und ist eine geniale Idee, und wir freuen uns auf die Weiterführung des ATT´s!“

Conny Nagel und Achim Wernet mit Horas vom Hirschthürl

 

 

 

DRC testet zum ersten Mal Alltagstauglichkeit 20 Gespanne aus dem Südwesten kamen nach Bergfelden

Zum ersten Mal im DRC wurde ein Probelauf in Bezug auf eine neue Prüfung absolviert: die Alltagstauglichkeit der 20 gemeldeten Retriever wurde bei verschiedenen Aufgaben vom Festzeltbesuch bis zum Ballspiel am Strand mit viel Fantasie auf der Bergfelder Wiese getestet. Das Gute: es konnte keiner durchfallen. Die Richter Petra Beringer und Jens Swazba verteilten Einordnungen von „vorzüglich“ bis „ausbaufähig“ und gaben Tipps zur Verbesserung. Anastasia Vollmer

Bergfelden. Acht Personen saßen zusammen und machten sich Gedanken darüber, was man DRC-Mitgliedern, die bereits die Begleithundeprüfung absolviert haben, für Aufgaben anbieten könnte; herausgekommen ist der Alltagstauglichkeitstest. Er ist besonders angedacht für Hundebesitzer, die weder Jagd- noch Dummyarbeit mit ihren Hunden machen, so Achim Beringer, denn auch hier sei es wichtig, dass der Hund rege bleibt. Zum ersten Mal wurde der ATT nun vom DRC (Deutscher Retriever-Club) in Baden-Württemberg angeboten. Hermann-Peter Maier, Jens Swazba und Petra Beringer entschieden sich für den Standort Sulz. Gegenüber vom einstigen Gipswerk Schwenk trafen sich am Samstagmorgen 20 Hundeführer mit ihren Retrievern, um sich den neuen Prüfungsaufgaben zu stellen.

Für die Hundebesitzer war es auch schön, hier den einen oder anderen Bekannten aus früheren Kursen wiederzutreffen und sich auszutauschen. Gudrun Rath war mit ihrem 25 Monate alten Retrieverrüden Amir vom Haubergtal aus Karlsruhe nach Bergfelden gekommen. Neben Freiburg und Friedrichshafen hatte sie die weiteste Anfahrt. Amir zeigte sich als ruhiger und ausgeglichener Hund und ließ sich auch nicht durch das „Ballspiel am Strand“ auf der Bergfelder Wiese ablenken. Er folgte Frauchen und ließ den Ball links liegen. Gudrun Rath freute sich über das neue Angebot. „Damit man wieder Beschäftigung hat mit dem Hund“, und natürlich auch das Wiedersehen mit Bekannten aus der „Retrieverfamilie“ und die gemeinsame Einkehr bewogen sie zur Teilnahme. Nächste Prüfungssituation: Unter einem Sonnenschutz wurde die Vatertagsstimmung im Festzelt simuliert. Da kommts schon mal vor, dass ein belegtes Brötchen in Reichweite eines Hundes liegt und ihn zum Zugreifen verlocken könnte. Gut erzogen ließen sich auch hier die Retriever nicht aus dem „Platz“ locken. Wichtig ist dies natürlich auch in Bezug auf das Aufnehmen von Giftködern, und so wurde auch diese Situation im Freien simuliert, um zu testen, ob die Hunde auch hier widerstehen.

Die erste Aufgabe war es allerdings, den Hund richtig aus dem Auto aussteigen zu lassen. Schon hier können kleine Unachtsamkeiten zu unangenehmen Folgen führen, besonders an stark befahrenen Straßen, so erklärte Achim Beringer die Intention dieser Aufgabe für die Hundeführer. Die Körpersprache des Hundes zu beachten ist hier sehr wichtig. „Wir müssen lernen zu erahnen, bevor die Aktion passiert“, so umschreibt Achim Beringer „dass die Leute lernen, ihren Hund zu lesen“.

Die Menschen brauchen dazu Jahre, so Beringer, der Hund nur einen Wimpernschlag.

 

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